Trail-Running und Ultra-Marathon

Grotelle - Corte

Nach der Versorgungsstelle geht es über eine Brücke auf die rechte Seite des Restonica Baches. Auf einem schmalen Singletrail geht es abwärts. Der Weg quert auf die andere Bachseite und führt anschließend auf und ab talauswärts. 

Ich verpasse die Abzweigung nach links, die steil hinauf zur Versorgungsstelle in Alzu führt. Bis ich das merke, bin ich gut 150 Höhenmeter zu tief. Der Rückweg ist frustrierend, merke ich doch, welche Kraft die aufgehende Sonne bereits hat. 

Der Anstieg nach Alzu (km 97) hat nochmal gut 600 Höhenmeter und kostet ordentlich Schweiß und Körner. 

Dafür entschädigen Ausblicke wie dieser für alle Mühe. 

In Alzu treffe ich auf die langsameren Läufer des Tavignanu Trail. Die Ruhe der vergangenen Stunden ist damit vorbei. Ein Stück weit lasse ich mich zu einem munteren Gebolze bergab verleiten. Dann merke ich, dass meine Fußgelenke dies nicht goutieren und lasse es wieder etwas langsamer angehen. 

Je tiefer ich in das Tavignanu Tal hinab komme, desto wärmer wird es. Auf den letzten 4 km verläuft der Weg oberhalb des Flusses durch felsiges Gelände. Die Steine sind schon ordentlich aufgeheizt und die Sonne brennt gnadenlos. Im engen Tal regt sich kaum ein Lüftchen. Ab und zu werden aber Thermiken ausgelöst. Das fühlt sich dann an, als ob man einem Hähnchengrill zu nahe kommt.

Die am letzten Bachlauf nochmal patschnass getränkte Mütze trocknet in der Hitze innerhalb weniger Minuten. Obwohl das Ziel schon nahe ist, und ich eigentlich noch gut bei Kräften bin, nehme ich mein Tempo zurück. Ich telefoniere mit Margot und prognostiziere meine Ankunftszeit auf 13:20 h. Mit 10 Minuten auf den Kilometer mache ich wohl nichts verkehrt.

Nach 33:18 h laufe ich durch die Ziellinie. Von 116 Startern erreichen 65 das Ziel. Eine Finisherquote von 56 Prozent ist für einen französichen Trail ungewöhnlich niedrig und spricht für die technischen Schwierigkeiten.

Fazit: Für Freunde des langen Leidens ist der UTC eine absolute Empfehlung. Vor Ort ist alles bestens organisiert. Eine Vielzahl von Helfern zeigt begeisterten Einsatz. Das Startgeld ist mit 100,00 € (Frühbucher, sonst 110,00 €) absolut fair. Jeder Teilnehmer erhielt 2013 ein Funktionsshirt, eine Flasche korsischen Wein, eine der berühmten korsischen Würste, Honig, diverse Süßigkeiten sowie einen Faltbecher. Als Finisher-Geschenk gab es zusätzlich ein Klappmesser mit Werkzeug.

Korsika wird via Stuttgart von Germanwings angeflogen. Die Flüge in der Holzklasse sind recht preiswert. Wer ein paar Tage mehr Zeit mit bringt, muss sich entscheiden zwischen Wandern, Bergsteigen oder Strandurlaub. Wir verbrachten nach dem Lauf noch 3 Tage in Algajola an der Westküste und frönten dem süßen Nichtstun.